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Donnerstag, 29.04.2021

Nachverdichtung im Bestand

Zum Thema „Nachverdichtung im Bestand“ tauchen häufig „Berichte“ und „Hinweise“ auf, die die Idee und den damit verbundenen Hintergrund dieser Maßnahmen häufig nicht neutral und sachgerecht wiedergeben. Im Gegenteil, die „Nachverdichtung im Bestand“, die in Wirklichkeit eine Neuordnung inklusive gleichzeitiger Grundsanierung der gesamten Vereins-Infrastruktur der Kleingartenfläche des Vereins bedeutet, wird aus Unkenntnis oder in zweifelhafter Absicht oft negativ dargestellt.

Das 1983 in Kraft getretene Bundeskleingartengesetz (BKleingG), sieht in § 9 (1) 2. Ordentliche Kündigung - ausdrücklich die Möglichkeit vor, eine Beendigung des Pachtverhältnisses herbeizuführen, um eine Kleingartenanlage neu zu ordnen, was seit 2016 in der Präambel der Vereins-Gartenordnung mit „Sanierung und Nachverdichtung“ bezeichnet wird.

Fakt:

Das Thema steht bereits seit 1983 im Bundeskleingartengesetz und ist nicht, wie falsch behauptet wird, „vom LGH“ mit der Änderung der Vereinssatzung und Gartenordnung 2016 eingeführt worden.

Kündigungen von Kleingartenflächen hat es schon immer gegeben, wenn die Bezirksämter oder der Senat Bebauungspläne mit anderen Nutzungen (Wohnungs- und Schulbau etc.)  vorgesehen haben. 1967 wurde dann die Verpflichtung der Freien und Hansestadt Hamburg  (FHH), dafür an anderer Stelle Ersatzparzellen zu schaffen, mit dem zwischen der Stadt und dem LGH abgeschlossenen „10.000-er Vertrag“ festgeschrieben. Nicht festgelegt ist in diesem Vertrag, wo die Ersatzparzellen hergerichtet werden sollen, in der Vergangenheit wurden diese jedoch meistens am Rande der Stadt als „Neuanlage“ gebaut. Das führte langsam dazu, dass immer mehr Kleingartenanlagen aus dem inneren Bereich von Hamburg verschwanden.

Der Vorschlag und die Forderung des LGH ist es daher seit einigen Jahren, die Ersatzparzellen nach Möglichkeit vorrangig durch „Nachverdichtung im Bestand“ in den vorhandenen innerstädtischen Kleingartenanlagen zu schaffen, damit die Kleingartenparzellen innerhalb der Stadt verbleiben und funktionierende Vereinsstrukturen erhalten werden. Bei den innerstädtischen Kleingartenvereinen handelt es sich in den meisten Fällen um ältere Vereinsanlagen mit großen Parzellen (600 m² und größer), in denen durch eine sinnvolle neue Einteilung, möglichst viel Bestandsgrün erhalten bleibt und erhaltenswürdige Gartenlauben vom Abriss verschont bleiben.

Fakt:

„Nachtverdichtungen im Bestand“ finden ausschließlich mit Zustimmung der betroffenen Vereine statt und nicht gegen den Willen der Vereine! Anderslautende Meldungen sind schlicht falsch.

Je nach Behördenzuständigkeit (Bezirke, Senatsbehörden oder Landesbetrieb für Immobilienmanagement und Grundvermögen), wird von der Stadt ein Planungsbüro beauftragt, das in enger Absprache mit dem LGH und dem Vereinsvorstand sowie den Parzellenpächtern die Neuordnung der Kleingartenanlage plant und während der Durchführung das Projekt begleitet. Dabei muss jedes Nachverdichtungsprojekt individuell  angegangen werden. Es hat häufig seine ganz besonderen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Aber es gab und gibt immer Lösungen, die dann gemeinsam (Stadt, LGH, KGV, ausführende Firmen) getragen worden sind.

Hamburg ist bundesweit Vorreiter in Bezug auf den Parzellenerhalt im innerstädtischen Bereich, unter anderem durch „Nachverdichtung im Bestand“ mit gleichzeitiger Grundsanierung der Kleingartenanlage. Neben inzwischen abgeschlossenen Projekten gibt es noch mehrere Vereine, bei denen gerade die Sanierungs-/Nachverdichtungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Fakt:

Weitere Vereine haben sich bereits beim LGH für in Zukunft anstehende Maßnahmen als Interessenten angemeldet. Die schonende Parzellenneuordnung kommt im Übrigen der Kleingartennachfrage entgegen. Demnach werden von Alleinstehenden kleinere Parzellen gewünscht und von Familien mit Kindern entsprechend größere.

Wichtig ist dem LGH auch zukünftig der Erhalt von Kleingartenanlagen und Parzellen insbesondere im innerstädtischen Bereich sowie den angestrebten Neubau von Kleingartenanlagen im Rahmen von Wohnungsneubauprojekten. Denn Kleingärten und Geschosswohnungsbau nebeneinander ergänzen sich in hervorragender Weise.

 

Weiterführende Links:

https://suche.transparenz.hamburg.de

https://www.hamburg.de/contentblob/6492296/55ac714ff5e6822028cc94a2a2d27e24/data/kleingartenbedarfsanalyse.pdf

https://www.gartenfreunde-hh.de/aktuelles/news/nachverdichtung-war-ein-g/